Eigentlich habe ich beim Verfassen des Artikels “Vom Militär, Zivilschutz und Zivildienst” gar nicht primär an Gender und Gleichstellung gedacht. Mir schien es einfach ein interessanter Gedankengang, das System einmal von dieser Seite zu betrachten. Doch wie es der Zufall wollte, wurde mein Artikel in einem Forum namens “Wie viel Gleichberechtigung verträgt das Land” verlinkt und ich erhalte nun täglich Besucher von dieser Seite. Dies hat mich neugierig gemacht. Mir war zuvor nicht bewusst, dass es eine so grosse Anti-Feminismus-Bewegung gibt im deutschsprachigen Raum.
Wichtig: Vor dem Lesen dieses Artikels bitte diesen Abschnitt genau lesen: Ich selbst bin weder Feminist noch Anti-Feminist und habe mich eigentlich nie wirklich für die sogenannte Gleichstellungsfrage interessiert. Mein Credo ist die absolute Vorurteilslosigkeit gegenüber allen Menschen. Ich versuche, niemals einen Menschen aufgrund seines Aussehens oder seines Geschlechts zu beurteilen, bevor ich ihn persönlich kenne. Somit stellt sich für mich nie die Frage, ob ich eine Frau einem Mann “gleichstellen” muss, da ich sie sowieso individuell bewerte bzw. versuche, sie (oder ihn) als Individuum mit einzigartigen Eigenschaften und Fähigkeiten zu betrachten.
Damit bin ich noch nie schlecht gefahren, im Gegenteil! Ich kenne viele Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Werdegängen und mit allen habe ich individuelle Verhältnisse und Gepflogenheiten, jeder von ihnen bereichert mich in irgendeiner indiviudellen Weise.
Nun aber, mit der Entdeckung dieser riesigen Communities für oder gegen Feminismus und Gender-Mainstreaming, habe ich begonnen, mich ein wenig genauer damit auseinander zu setzen. Ich musste mich selbst fragen, was ich eigentlich von dieser ganzen Sache halten soll und wie ich Position beziehen würde, wenn ich gefragt würde oder dies aufgrund einer politischen Situation tun müsste. Ich fand heraus, dass ich für die Klärung dieser globalen Frage zuerst die folgenden kleinen Fragen beantworten muss:
2. Die “Gleichmacherei” und die damit verbundenen Schwierigkeiten
3. Gendermainstreaming – warum ich davon gar nicht überzeugt bin
1. Inwiefern sind wir Menschen den überhaupt “gleich” bzw. “unterschiedlich” und was kann die Naturwissenschaft zu Klärung dieser Frage beitragen?
Die Frage lässt sich ganz einfach beanworten: Erstens gibt es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Zweitens ist jeder Mensch, egal ob Frau oder Mann, ein komplett einzigartiges Individuum, charakterisiert durch seine genetische Konstitution, seine Erziehung und das Umfeld, in welchem er aufgewachsen ist bzw. in welchem er sich im Moment befindet. Männer haben andere Stärken als Frauen – biologisch determinierte Unterschiede in Stoffwechsel, Entwicklung und Verhalten. Hormonelle und anatomische Unterschiede, geformt durch Tausende von Jahren der Evolution haben den Geschlechtern Körper gegeben, welche zur Erfüllung bestimmter Aufgaben besser oder schlechter geeignet sind. Die Evolution hat einem Geschlecht die Aufgabe des Gebärens, dem anderen die Aufgabe des Ernährens gegeben. Daran ist nichts schlechtes. Frauen (Weibchen) sind “bestimmt” dazu, die Kinder zu gebähren und der Mann (Männchen) versorgt die Frau in der Zeit der Schwangerschaft und des Stillens mit Nahrung. So zumindest war es vor ein paar Tausend Jahren. Es gab keine Ausnahme. Besonders spannend in diesem Zusammenhang sind übrigens Fragen der Partnerfindung und Partnerbindung, der Veränderungen welche Menschen in einer Beziehung durchmachen und der Bedeutung von Familien und Gesellschaften (Bildung kooperativer Gruppen und Populationen). Doch auch das Sozialverhalten ist einem ständigen Evolutionsprozess unterworfen. Wer sich am besten anpasst in einer Gesellschaft und dabei die meisten Ressourcen für seine Nachkommen und seine Familie sammeln kann, hat den grössten reproduktiven Erfolg. Das ist ein Fakt und kann von niemandem abgestritten werden. Heute gilt: Wer das meiste Geld verdient, kann bzw. könnte die meisten Kinder ernähren und sein Erbgut und einen Teil seiner Weltanschauung am erfolgreichsten weitergeben.
Die biologische und die kulturelle Evolution waren es, welche die Frauen und Männer von heute zu dem geformt haben, was sie sind. Die “patriarchalische Gesellschaft” ist nicht eine Erfindung der Männer, sondern entstand unter sehr vielen Einflüssen. So sind auch die Frauen mitverantwortlich für die heutige Form der Gesellschaft. Sie haben schliesslich während tausenden Jahren bei der Paarung jene Männchen bevorzugt, welche die erfolgversprechendsten Merkmale aufwiesen. Heute lebende Männer des Anti-Feminismus oder des Patriarchats zu beschuldigen ist also gleich falsch, wie Frauen als minderwertig zu bezeichnen oder sie auf ihre Funktion als “Gebärmaschinen” zu reduzieren.
Frauen sind Männern in keiner Weise “unterlegen” – aber auch umgekehrt gilt dieses Prinzip. Es ist immer eine individuelle Frage der persönlichen Stärken und Schwächen, der Erziehung und des Umfelds. Aber auch eine Frage der schulischen Bildung und der individuellen Intelligenz. Dieser Umstand führt uns zu Kapitel 2:
2. Die “Gleichmacherei” und die damit verbundenen Schwierigkeiten
Obwohl das Wort “Gleichmacherei” üblicherweise von Konservativen und Rechtsextremen benutzt wird und von humanistischen und linken Kreisen grundsätzlich gemieden wird, beschreibt es gewisse Tendenzen und Prozesse ziemlich gut. Aus der Emanzipation und dem Feminismus hervorgegangen sind viele Ideen und Vorstellungen, dass man die biologischen Geschlechter in keiner Weise mehr berücksichtigen soll bei gesellschaftlichen Fragen. Frauen und Männer müssen “in allen Bereichen des Lebens gleichgestellt sein” schreiben z.B. die JungsozialistInnen Schweiz auf ihrer Homepage. Diese anfänglich absolut einleuchtende Forderung kann aber rasch zu sehr speziellen Ableitungen führen. Ich möchte dazu ein paar Beispiele geben.
- Binnen-i und korrekte Schreibweisen: Hin und wieder benutze ich auch die “korrekte” Schreibweise mit der männlichen und weiblichen Form. Doch meist ist mir das Erscheinungsbild des Textes wichtiger, als eine kleine Zahl von Feministinnen, welche glauben, den Fortschritt der Emanzipation am Erscheinungsbild der Deutschen Sprache messen zu können. Und das Gekreische um das Binnen-i ist mitunter ein Grund, weshalb ich nicht mehr an Veranstaltungen einer gewissen Partei gehen werde. Wenn eine politische Organisation die Zeit und Energie hat, sich mit solchem Mist herumzuschlagen, dann ist sie die Energie nicht wert, welche man stattdessen zu Blog-Schreiben verwenden kann
- Gleichstellung im Bett: Ungeachtet der biologisch determinierten Unterschiede in der Anatomie der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane sowie der unterschiedlichen Bewertung derselben im Kontext der Evolution fordern diverse Feministinnen eine Gleichstellung der Geschelechter im Schlafzimmer. So soll zum Beispiel Frauen dabei geholfen werden, ebenfalls Orgasmen zu erleben. Dass solche Ideen schlichtweg weltfremd sind, leuchtet jedem schlauen Kopf ein. Jeder Mensch hat einen eigenen Zugang zur Sexualität und das einzige, was man für eine “Gleichstellung im Bett” machen könnte, wäre eine angemessene Aufklärung und auf einen sorgfältigen Umgang mit der Sexualität ausgerichteten Bildung – unter anderem im Elternhaus, wo heute nach wie vor Aufklärung und Sex tabuisiert werden oder die Eltern selbst zu wenig aufgeklärt sind. Danach liegt die Entscheidung bei jedem selbst und hängt im höchsten Grad vom jeweiligen Partner ab. Und ich persönlich hatte stets den Eindruck, dass ich bei sexuellen Akten weitaus mehr Kalorien investiere als die andere Person im Bett (weshalb ich auch so dünn bin
) - Gleicher Lohn für alle: Das klingt so weit vernünftig. Aber wie oft habe ich erlebt, dass Männer in verschiedenen Betrieben den Frauen die körperliche Arbeit abnehmen und ihnen, bedingt durch körperbau-bedingte Vorteile zur Hand gingen. Eine Pauschalforderung ist immer etwas gefährliches und würde ich so nicht unterstützen. Doch wo eine Frau die identische Arbeit wie ein Mann leistet (z.B. in einem Büro), ist keine Diskussion möglich! Gleicher Lohn für gleiche Arbeit lautet die Devise – und wer leistet in einem Betrieb schon die genau gleiche Arbeit wie seine Arbeitskollegen?
- Frauenförderungsprogramme: Zahlreiche Universitäten bieten sogenannte “Frauenförderung” an. Man möchte z.B. junge Frauen beim Einstieg in die Naturwissenschaften helfen oder sie in Laufbahnfragen spezifischer beraten. Doch Tatsache ist, dass an Gymnasien und Universitäten mehr Frauen als Männer eingeschrieben sind. Ich sehe auch in Fächern wie Biologie und Pharmazie, dass mehr als die Hälfte der Studierenden weiblich sind. Und als Single gefällt mir das. Doch ich sehe nicht ein, warum eine Frau eine spezifischere Förderung in fachspezifischen Fragen braucht, als ein Mann. Fachliche Kompetenz hat kein Geschlecht und gerade in naturwissenschaftlichen Fächern (Biologie, Physik, Mathematik, Chemie, Nano, Pharmazie, Medizin) sind “soziale Fähigkeiten” oder “typisch weibliche Charaktereigenschaften” vordergründig weniger wichtig als fachliche Brillanz. Und diese hat man oder man hat sie nicht. In anderen Fächern wie Pädagogik, Jura oder Wirtschaft hingegen sind Networking-Fähigkeiten von weitaus grösserer Wichtigkeit.
- Frauenquoten: Linke Parteien und Feministinnen fordern oft, dass man den Frauenanteil in Parlamenten und Firmen mittels Quotenregelungen ausgleichen soll. Oft wird gewünscht, dass gleich viele Frauen wie Männer in einem Gremium sitzen. Ich persönlich finde diese Forderung ein wenig speziell. Ähnlich wie bei den Förderungsprogrammen für akademische Laufbahnen zählen bei politischen oder unternehmerischen Tätigkeiten fachliche Kompetenz und Motivation weitaus mehr, als die Existenz eines einzelnen Chromosoms. Wie oft musste ich schon erleben, dass aufgrund von Quotenregelungen auf Biegen und Brechen eine Frau in eine Position gezerrt werden musste und dort entsprechend unqualifiziert oder unmotiviert war, weil sie sich einfach überreden liess von diversen Personen. Quotenregelungen machen keinen Sinn, wenn es zu wenig oder zu schlecht qualifizierte Frauen (oder Männer!) gibt für ein Gremium. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt! Es sollte immer jene Person gewählt oder befördert werden, welche den Anforderungen am besten Gerecht wird.
3. Gendermainstreaming – warum ich davon gar nicht überzeugt bin
Der Begriff Gendermainstreaming wird von verschiedenen Gruppierungen anders erklärt und bewertet. Während Feministinnen es als unverhandelbares Werkzeug zu einer besseren Welt sehen, sehen es die Skeptiker (u.a. auch Protostomia) als blosses Lobbying für die Förderung der Frauen zu Lasten der Männer. In meinen Augen ist die Geschlechterforschung und das daraus resultierende Gendermainstreaming nichts anderes als lächerlich. Hervorgegangen aus der Frauenforschung mit dem Anspruch, die Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft zu erforschen, hat sich die Geschlechterforschung rasant zu einer völlig ideologisierten und politischen Bewegung gewandelt – von Wissenschaft keine Spur mehr. Alles was die Genders “erforschen”, kann auch von der Psychologie, der Soziologie und der Biologie erforscht werden – es braucht keine neue “Wissenschaft”! Und damit es einfach mal gesagt ist: Gender Studies sind sowieso KEINE Wissenschaft – sind politisches Agenda-Setting mit einem ganz einfachen Zweck, und zwar Frauen dazu auszubilden, die heute noch von Männern besetzen Posten in der Gesellschaft durch das Verstehen der “männlichen Denkweise” (falls es so etwas denn wirklich gibt) zu erobern und sich den Platz in der “Welt von Karriere und Erfolg” zu sichern. Keine Wissenschaft mit politischen Motiven darf ernst genommen werden.
So zumindest wird es einem von ebensolchen Genders erklärt und da niemand mit Verstand gerne Geld in dieses Phänomen der Zeit stecken möchte, muss eben mit diversen low-budget-Studien die Notwendigkeit der Gender-Wissenschaften bewiesen werden. Einen guten Artikel zum Thema Gender habe ich bei Brainlogs gefunden: “Was erlauben Gender?” Äusserst lesenswert!
Aber auch sehr spannend ist die Frage, nach Gleichstellung in Berufen mit schwerer körperlichen Arbeit. Müllmänner, Metallbauer, Strassenbauer, Maurer, Tunnelbauer, Kanalarbeiter, Arbeiter auf Ölbohrinseln und natürlich unzählige andere. Dies sind nur die naheliegendsten Beispiele. Noch immer sind es Männer, welche die “schweren” Arbeiten erledigen. Doch seltsamerweise hat noch nie jemand einen Gender-Forscher nach Gleichstellung in diesen Berufssparten rufen hören. Das Wort “Gleichstellung” bedeutet bei den Gendern offensichtlich hauptsächlich den Aufstieg der Frauen in die administrativen Berufe der akademischen Sparte. Oder auch der Wehrdienst. Gleichstellung bedeutet, dass jeder Bürger und jede Bürgerin die identischen Rechte und Pflichten hat und nicht, dass in allen akademischen Berufen gleich viel Frauen wie Männer beschäftigt sind. Alles andere ist purer Sexismus und Lobbyarbeit zum Wohle des einen oder anderen Geschlechts.
Oder ebenfalls interessant sind Fragen nach der Gerichtspraxis bei Scheidungen und Sorgerecht um Kinder. Oder bei häuslicher Gewalt. Oder oder oder… ich will nichts werten, ich kenne mich zu wenig aus in juristischen und soziologischen Diskussionen. Aber ins Auge stechen einem schon die einen oder anderen Dinge.
Und noch ein Punkt der “Gleichstellung”: Wenn beide Partner mit Kind(er) berufstätig sind und ihre Nachkommenschaft verwahrlosen lassen, indem sie sie tagsüber in irgendwelche Krippen stecken und Abends vors Fernsehen setzen, passieren auch viele spannende Sachen mit den Kindern. Bin sehr gespannt auf die Studien der nächsten 10 Jahre – aber nicht freudig gespannt!
Und die neuste und schrägste “Ausgeburt” des Gendermainstreamings ist die Frage nach der “sexuellen Identität” – diese soll nun auch vor Diskriminierung geschützt werden (siehe hier). Wie spannend, wo doch das Verbot von Diskriminierung aufgrund der Herkunft, der Weltanschauung oder des Geschlechts alleine bereits ausreichen würden, um sämtliche Diskriminierung einzuschliessen. Und die “sexuelle Identität” ist wohl keine gesellschaftliche relevante Eigenschaft eines Menschen, denn in keinem Fall sollte sie einen Einfluss auf das öffentliche Auftreten und die sozialen Kompetenzen haben. Und in meinen Augen spielt es sowieso überhaupt keine Rolle, was jemand zuhause so treibt – solange ich nichts davon wissen möchte. Und ja, ich würde dazu raten, sich in Sachen Sexualität nicht zu sehr aus dem Fenster zu lehnen – wer weiss denn, was die wirkliche Forschung noch so alles zu Tage fördern wird (man denke an Schlagwörter wie Genetik, Vererbung, Epigenetik, Mutation, Behinderung, Evolution). Ich persönlich hoffe natürlich, dass die Forschungsergebnisse zu einer verständnisvolleren Gesellschaft führe, aber man weiss nie, welche Gruppierungen das Wort ergreifen werden.
4. Zusammenfassung
Es gibt biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen und diese sind noch lange nicht ergründet. Die physische und die psychische Konstitution von Frauen und Männern wird u.a. durch molekularbiologische und auf der Vererbung basierende Mechanismen bestimmt. Dass die Gesellschaft so ist wie sie ist, hat viele Gründe, aber die Rollenverteilung der Geschlechter ist wohl eher der kleinste dieser Gründe. Gendermainstreaming und Geschlechterforschung sind häufig nichts anderes Werkzeuge weiblicher Sexistinnen und Feministinnen, welche versuchen, die Rollenverteilungen umzukehren. Dies ist genauso schlecht wie das reine Patriarchat!
Der einfachste Weg zu einer freien, humanistischen Gesellschaft ist das Ablegen sämtlicher Vorurteile gegenüber anderen Menschen und jedes Individuum als ein solches zu betrachten. Wer dies nämlich tut, wird feststellen, dass die ehemaligen Vorurteile sich langsam differenzieren und aufspalten, bis sie eines Tages nicht mehr solche sind. Dann sind es noch “beobachtete Häufungen bestimmter Charakteristika” oder wie man es auch immer sagen möchte – aber sie werden erst bemerkt, nachdem sie sich bei einer Person zeigen – man projeziert sie nicht mehr im Voraus auf ein noch unbekanntes Gegenüber.













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