Jungen vs. Mädchen? Fragen zu Bildungsstudien

Mal wieder einmal zufällig bin ich auf den Blog von Antje Schrupp mit dem Artikel “Drei verbreitete Irrtümer zum Feminismus” gestossen (WordPress Dashboard). Wie immer klickte ich mich weiter durch den Dschungel an Artikeln, Portalen und Webseiten von Organisationen pro und contra Feminusmus, Gendermainstreaming, Wissenschaft und Philosophie.

Ich habe mich mehrmals zum Thema Gender geäussert und dabei entstanden meiner Ansicht nach auch ein paar gute Diskussionen. Ich möchte diesmal keinen grossen Artikel schreiben, nur auf ein paar andere Artikel hinweisen und ein paar Fragen in den Raum stellen.

(1.) Mädchenmannschaft.net: “Männer, emanzipiert euch!“: Ein Artikel darüber, dass heutzutage viele Männer verwirrt sind, welche Rolle ihnen von der Gesellschaft eigentlich zugewiesen wird und warum sie sich ebenfalls mit ihren “Geschlechterrollen” auseinandersetzen sollen. Besonders eingegangen wird auf die Jungen, welche oft in Abwesenheit des Vaters aufwachsen. Oft zitierte Hypothesen bzw. Spekulationen sagen, Jungen bräuchten eine Vaterfigur in ihrer Kindheit, um richtig heranzuwachsen. Vorweg ein Kommentar: Ich halte dies für nicht haltbar, denn immerhin wurden während Jahrhunderten alle Kinder beinahe ausschliesslich von Frauen erzogen.

(2.) Spiegel Online: “Männermangel an Schulen; Lehrerinnen schaden Schülern nicht“: Gemäss Studien kann angenommen werden, dass der hohe Frauenanteil bei den Lehrpersonen männlichen Schülern nicht schadet. Oftmals wurde Kritik an der hohen Frauenquote im Bildungswesen geäussert, man nahm (und nimmt noch immer) an, dass Jungen bzw. junge Männer auch männliche Lehrpersonen und Vorbilder benötigten.

Nun denn, ein jeder sollte die Artikel selbst lesen und sich weiterklicken. Ich möchte einfach ein paar Fragen in den Raum stellen:

  • Warum sind in Erziehungsberufen so viele Frauen tätig? Entspricht dies eigentlich nicht genau der klassisch-patriarchalischen Aufgabenteilung? Männer arbeiten, Frauen erziehen? Gilt es eigentlich nicht, genau dies zu hinterfragen und zu ändern?
  • Inwiefern werden bei solchen Studien die Unterschiede bei der Schwerpunkt-, Fächer- und Gymnasienwahl berücksichtigt? Wählen Jungen nicht lieber technische oder naturwissenschaftliche Ausbildungswege? Und sind es nicht genau diese, welche an Gymnasien und Universitäten krass untervertreten sind? Und gerade in der Sekundarschule werden doch hauptsächlich philosophisch-historische Fächer gelehrt. Liegt nicht dort der Grund für die Geschlechterverteilung? Und was hängt von was ab? Sind die Lehrpläne so wie sie sind, weil sie von Frauen gemacht werden?
  • Die Frage nach dem Bedürfnis von Jungen (und Mädchen) nach gleichgeschlechtlichen Bezugspersonen schiesst ziemlich daneben: Müsste man nicht fragen, welche Rolle Bezugspersonen einnehmen sollen, egal welchem Geschlecht sie angehören? Jungen und Mädchen benötigen wohl kaum per se männliche oder weibliche Vorbilder für irgendetwas, sondern sie brauchen Menschen, welche Ihnen beibringen, sich selbst zu finden und ihre Rolle unabhängig von der Rolle der Eltern oder Lehrer einzunehmen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, dass ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse schwerer zu gewichten sind, wie Gesellschaftsbilder und Stereotypen. Und wer “männliche” oder “weibliche” Vorbilder fordert, manövriert sich doch selbst ins Aus… oder etwa nicht?

Tom Lehrer

Thomas „Tom“ Andrew Lehrer (* 9. April 1928 in New York City) ist ein US-amerikanischer Singer-Songwriter, Satiriker und Mathematiker. Obwohl sein veröffentlichtes musikalisches Werk nur ungefähr 50 Titel umfasst, gilt es als kulturell und intellektuell bedeutend. Es wird meist dem Genre des Novelty Song zugeordnet. (Quelle: Wikipedia)

Ich liebe alle Werke von Tom Lehrer und möchte hier eine kleine Auswahl vorstellen…

“National Brotherhood Week” ist eine amerikanische Tradition, in welcher in einer Woche im Februar Themen wie Rassismus und die amerikanische Gesellschaft sensibilisiert werden soll. Tom Lehrer zeigt das Ganze von einer etwas kritischeren Seite, ohne dabei auf seinen einzigartigen Humor zu verzichten.

“New Math” zeigt, wie man eine eigentlich einfache Rechnung sehr, sehr kompliziert lösen kann. Neben ein paar schrägen Rechentricks zeigt Tom Lehrer auch, wie man mit der Basis 8 statt der Basis 10 rechnen kann. Äusserst amüsant.

Im Song “Elements” zählt Tom Lehrer alle dazumals bekannten chemischen Elemente auf. Von diesem Lied existieren auf Youtube viele Varianten, ich habe einfach diese mit der schönsten Animation genommen.

Als bekennender Atheist macht sich Lehrer über die Katholische Kirche lustig. “Vatican Rag” parodiert die veralteten Traditionen und Heucheleien aus dem Vatikan.

Ideale Bilderwahl! (Teil 1)

Zufällig bin ich das erste Mal über die hebräische Wikipedia gestossen und dabei über den Artikel “Bern”… Dabei musste ich sehr schmunzeln und möchte diese Erfahrung mit euch teilen. Fragt euch doch einfach, ob das Bild ideal gewählt ist :-)

Auschnitt aus der hebräischen Wikipedia (Screenshot)

Auschnitt aus der hebräischen Wikipedia (Screenshot)

Hier der originale Link: Bern (Wikipedia auf Hebräisch)

Killerspiele – Ein Dialog

Nach meinem Artikel “Jugendkultur? Und selbstbestimmt?” habe ich GameRights eine E-Mail geschrieben, um deren Ansicht zum Thema “Gewalt: warum?” zu erfahren. Dabei ist ein aus meiner Sicht sehr guter Dialog entstanden, den ich (mit Einwilligung des Korrespondenten) gerne hier zu Verfügung stellen möchte.  Da er äusserst lange geraten ist, könnt ihr ihn hier auf der zweiten Seite nachlesen. weiterlesen ‘Killerspiele – Ein Dialog’

Zitate und Anekdoten aus der Universität

Als ich bei Aufklärung 2.0 einen Artikel mit der Sammlung lustiger Zitate gesehen habe, beschloss ich, ebenfalls einen solchen Artikel zu verfassen. Auch im Biologie-Studium gibt es so die eine oder andere Köstlichkeit zu hören :-)

Zitate

  • “Das Problem der Schildkröten war folgendes: Zu viel Panzer, zu wenig Hirn. Doch dies ist beim Menschen ja ähnlich.” (Zoologie)
  • “Kein Tier denkt an die Erhaltung seiner Art, dies ist völliger Blödsinn. Ein Tier möchte bloss sich selbst fortpflanzen. Dies aus zwei Gründen: erstens macht es Spass, zweitens möchte es seine Gene weitergeben.” (Verhaltensökologie)
  • “Manchmal staune ich, wie sich gestandene Professoren der Physik verhalten, wenn sie hinter einem Steuerrad sitzen. Ich musste einmal den Professor für theoretische Physik bitten, mich aussteigen zu lassen. Wissen Sie, es war so unheimlich, auf der Autobahn dieSeriennummer des Kofferraumschlosses des Vordermanns lesen zu können.” (Allgemeine Chemie)
  • “Wenn Sie in Australien sind und beim Baden von einer Chironex-Qualle gestochen werden, versuchen Sie gar nicht erst, ans Land zu kommen. Geniessen Sie in den Ihnen verbleibenden zwei Minuten doch einfach noch die faszinierenden Augen dieses Tieres!” (Zoologie)
  • “Das ist so typisch für die Physik. Sie lachen uns aus wegen unserer primitiven Modelle, aber wir sind es, welche die Methoden entwickeln und anwenden können.” (Analytische Chemie)
  • “Wir werden nun diesen Ball auf die gleichzeit losgelassene Platte schiessen und ausprobieren, ob wir sie treffen können. Hehe, zu meiner Zeit schossen wir noch mit einer Armbrust auf einen Plüschaffen…” (Physik)
  • “Wenn Sie den Wasserfluss im Pflanzenstängel messen wollen, dann können Sie eine Laus auf den Stängel setzen und wenn Sie sich festgebohrt hat, schiessen sie ihr den Körper mit einem Laserstrahl weg. Dann läuft während Stunden der Pflanzensaft aus dem zurückgebliebenen Stachel und Sie können Ihn wunderbar untersuchen.” (Botanik)
  • “Benutzen Sie in der Prüfung den Taschenrechner, den Sie auch während der Vorlesung benutzen. Ich habe es einmal erlebt, dass jemand während der Prüfung fragte, ob man ihm mit seinem neuen Rechner helfen könnte. Ich habe nur aus Pietätsgründen nicht laut gelacht!” (Allgemeine Chemie)
  • “Während meines Studiums arbeitete ich bei einer Pharmafirma. Ich mistete die Ställe der Gifttiere im Keller aus. Ein paar Jahre später war ich Geschäftsführer.” (Toxinologie)
  • “[...] Wenn Sie die Prüfung nicht bestehen, müssen Sie dann nicht weinend in mein Büro kommen. Das ist mir nämlich völlig egal.” (Allgemeine Chemie)
  • “Tiere verhalten sich meist “optimal.” Das einfachste Beispiel hierfür bin ich selbst. Ich halte die Vorlesung in diesem hauseigenen Hörsaal, damit ich nicht so weit laufen muss.” (Verhaltensökologie) (Anmerkung: Der Hörsaal war masslos überfüllt)
  • “Darf ich meine Masterarbeit über dich schreiben?” (Verhaltensökologie)
  • “Was für Studenten haben wir alles hier? Biologen? Ah ja, richtige Wissenschaftler! Chemiker? Auch diese brauchen wir! Nanowissenschaftler? Was ganz neues, gute Wahl. Wer noch? Ach ja, Pharmazeuten. Alles verwöhnte Bürgertöchter. Hätten Medizin machen sollen, waren aber zu blöde dafür!” (Begrüssung der Studienanfänger) (Anmerkung: Dieses Zitat habe ich von einer Drittperson gehört)
  • “Physiker sind auch nur Menschen!” (Unbekannt)
  • “In der Biologie geht es eigentlich nur um eines: SEX. Aber bevor Sie jetzt allen erzählen, dass Ihr Professor sexbesessen sei – was natürlich stimmen würde – bedenken Sie, dass Biologen unter dem Begriff Sex etwas anderes verstehen, als Nichtbiologen.” (Zoologie)

Dialoge

Analytische Chemie:
Professor: “Wenn die betreffende CX2-Gruppe weder homo- noch enantiotop ist, so ist sie diastereotop.” (Zeichnet ein Molekül mit einer solchen Gruppe)
Studentin: (Besserwisserisch) “Aber das ist jetzt falsch gezeichnet. Sie können diese Gruppe doch drehen, dann ist sie enantiotop.”
Professor: “Sie können das drehen und wenden wie Sie wollen, sie kriegen das nicht hin. Sie müssen sich das räumlich vorstellen.” (alles amüsiert sich)
Studentin: “Hmmm… in dem Fall ist das einfach schlecht gezeichnet.” (alle lachen).

Anmerkung: Man kann eine Strukturformel nur aus ästhetischen Betrachtungen als “schlecht” bezeichnen. Ansonsten liegt es an einem Mangel des räumlichen Denkens.

Verhaltensökologie:
Situation: Eine befreundete Mitstudentin muss sich an mir vorbeizwängen, um an ihren Platz zu kommen.
Sie: (Augen rollend) “Wäre besser ich zuerst gegangen.”
Ich: “Nein, ich wollte eben, dass du dich an mir vorbeidrücken musst. Ich wollte dir körperlich nahe kommen.”
Sie: (verwirrt) “…”
Ich: “Ich wollte erschnuppern, ob du deine fruchtbaren Tage hast.”

Anmerkung: Im Script sind mehrere Seiten zum Thema “Partnerwahl beim Menschen durch den Geruch” und “Attraktivität der Frau in Abhängigkeit mit dem Monatszyklus”

Ökologie:
Professor: “Wenn Pflanzen Ressourcen in die Samenproduktion investieren, sieht man das an den Jahresringen: Diese liegen in diesen Jahren enger bei einander.”
Ich: (Zur Mitstudentin): “Jetzt wird mir klar, warum ich so dünn bin.”

Anderes

  • Der Zoologie-Professor ahmte stets alle Tiere nach, über welche er gerade dozierte. So wird berichtet, dass er auf dem Pult herumkroch, um den Unterschied zwischen Schlagen und Schleichen zu erklären. Oder er ahmte treffend nach, wie ein Affe läuft, wenn er einen Fluss durchquert.
  • In der Vorlesung “Allgemeine Chemie” wurden etwa 350 Prüfungen innerhalb von 11 Stunden korrigiert und die Ergebnisse veröffentlicht! (Ich selbst hatte 8 Seiten abgegeben!)
  • Hingegen mussten die Studierenden auf das Ergebnis einer zweiseitigen (!) Mulitple-Choice-Prüfung zwei Monate warten.
  • In der Zoologie erklärte der Professor den Männern, wie sie bei einer Geburt das Kind aus der Frau herausnehmen müssen.
  • Der Mikrobiologie-Professor sprach das Wort “Menschen” immer wie “Männchen” aus, was oft zu witzigen Sätzen führte. Zudem wollte er einmal das Wort “Eau de Javel” aufschreiben, da er aber nicht mehr wusste, wie man “Eau” schreibt, liess er es bleiben.

Alles hier entstammt meinem Gedächtnis und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder völlige Richtigkeit.

Abschaffung der Wehrpflicht – es regt sich was…

Soeben entdeckte ich, dass die “Gruppe für eine Schweiz ohne Armee” (GSoA) an ihrer jährlichen Vollversammlung vom 17. März 2010 über die Lancierung einer Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht bestimmen wird.

Gemäss ihrem Artikel “Die Wehrpflicht aufheben!” scheint die Lancierung der Initiative mehr als nur angerissen. Und wie ich die GSoA kenne, wird diese Initiative auch Zustande kommen. Erhebungen zum Abstimmungsverhalten der Schweizer StimmbürgerInnen zeigen auch ganz klar, dass immer mehr Menschen die Schweizer Armee kritisch betrachten und die kürzlich abgelehnte Initiative “für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten” zeigte ganz klar, dass ein Wendepunkt in der Mentalität der Schweizer naht.

Es wird höchste Zeit, die sinnentleerte und Ressourcen fressende Institution “Armee” abzuschaffen. Die Wehrpflicht für Schweizer Männer (!) ist daneben, benachteiligend und sinnlos. Ich möchte, dass das Armee-Geld in sinnvolle Projekte (erneuerbare Energien, grüne Technologien, wissenschaftlicher Fortschritt, Bildung, Sozialwerke) oder sogar in besonders exotische Ideen wie das Grundeinkommen investiert wird. Wir brauchen keine Panzer und Jets und keine Sturmgewehre im Keller, das Zeitalter des klassischen Krieges ist vorbei und die Physiliere werden uns nicht schützen können, wenn es denn so weit kommen sollte.

Umfrage

Weblinks

Erdlinge

“Erdlinge” (Earthlings) ist ein Dokumentarfilm über eine der grössten Industrien dieser Welt, die Tierindustrie. Der Film zeigt brutal, wie wir Menschen Tiere wie Abfall behandeln.

Ich konnte den Film nicht schauen, habe nur durchgezappt. Zu rasch wurde mir komisch, bin ein absolutes Sensibelchen in Sachen Gewalt und Entwürdigung. Doch ich rate jedem, diesen Film zu schauen, so viel davon wie es geht.

Meine Behauptung ist die folgende: Wer diesen Film ganz schauen kann und danach nochmals mit gutem Gewissen Fleisch isst, sollte eine Therapie machen. Ich zumindest werde ab sofort das vegetarische Menü bestellen!

Hier noch den Link zur Übersichtsseite mit allen momentan verfügbaren Sprachen: http://veg-tv.info/Earthlings

PS: Es ist mir unerklärlich, wie jemand einen solchen Film schneiden und bearbeiten kann, ohne sich dabei irgendwann die Kugel zu geben! Respekt!

Überdenke Existenz

Nun sind es bald fünf Monate, dass ich regelmässig auf Protostomia.ch schreibe. Es wird Zeit, für eine kleine Evaluation und ein mittleres bis grosses Überdenken der Existenz.

Vorweg klipp und klar: Ich habe ein riesiges Problem, und das ist die Fokussierung. Wenn ich schreibe, fliessen meine Gedanken fast ungefiltert in die Tastatur und wenn ich das Gefühl habe, der Text sei fertig, so lese ich ihn nochmals durch und veröffentliche ihn. Mir fehlt das Konzept, der rote Faden und die Fokussierung innerhalb der Artikel – zumindest in denjenigen über wissenschaftliche Themen und gesellschaftspolitische Gedanken. Ich beginne bei einem Punkt, verzettle mich aber im Verlaufe des Schreibens völlig.

Zudem vergesse ich zu oft, dass das direkte Niederschreiben von Gedanken meist nicht funktioniert. Was im eigenen Kopf oder während eines Gesprächs funktioniert, kann beim Schreiben bzw. beim Lesen ziemlich in die Hose gehen. So wurde ich z.B. dafür angegriffen, eine Verbindung zwischen Evolution und Gesellschaftsform hergestellt hatte. Und die Angriffe waren berechtigt, denn beim Lesen meines Textes entstand der Eindruck, ich würde das Patriarchat als naturgegeben und richtig betrachten (was ich natürlich nicht tue). Dabei wollte ich sagen, dass es durchaus vorstellbar sein könnte, dass frühe Formen des Menschen eine gewisse Gesellschaftsform wie zum Beispiel das Patriarchat aus rein biologischen Gründen besassen und konservierten. Meine Idee basierte auf der evolutionsbiologischen Tatsache, dass Verhaltensweisen oder Merkmale beibehalten werden, wenn sie sich nicht als nachteilig auf das Überleben der Art auswirken. Dies ist ein Grundkonzept der Evolution und für deren Stattfinden notwendig, da die Anhäufung von sog. neutralen Merkmalen über längere Zeit zur Speziation und Diversifizierung (=Evolution) der Art führt.  Ich grub diese Gedanken aus, um die Geschlechterforschung in ein kritisches Licht zu rücken und ihr die Daseinsberechtigung streitig zu machen. Im Prinzip wollte ich sagen, was die Gender Studies können, können Biologen schon lange. Doch ich schaffte es zweimal nicht, die richtigen Worte dafür zu finden: Ich missachtete konsequent die Regeln des Schreibens und der Argumentation und heizte unnötigerweise ein Feuer nach dem anderen an. Zudem schreibt es sich nicht besonders gut, wenn man genervt ist (z.B. durch angriffige Kommentare oder sonstiges).

Ich möchte eigentlich mit diesem Blog nicht mit halb- oder pseudowissenschaftlichen Ideen irgendwelche Angriffe fahren. Ich möchte auch nicht Andersdenkende angreifen. Ich möchte nur meine persönlichen Gedanken zu diversen Dingen loswerden, mal hier und da Position beziehen und nebenbei einfach ein paar lustige Geschichten oder Erlebnisse berichten. Wer meinen Blog liest, soll schmunzeln. Oder denken, dass ich trotz anderer Ansicht einen guten Text verfasst habe und fair formuliert habe.

Somit muss ich mich nun bei ein paar Leuten entschuldigen. Obwohl die Internet-Welt mehr oder weniger anonym ist (für andere), so fühle ich mich doch nicht wohl dabei, Leute unnötig zu verärgern, vorallem wenn sie mit rationalen und gut formulierten Argumenten meine Sicht der Dinge differenzieren oder korrigieren wollen. Wer sich nun angesprochen fühlt, soll diese Entschuldigung annehmen. Wer nicht, soll sie überlesen.

Zuletzt fasse ich mir ein paar Vorsätze für neue Artikel, welche ich regelmässig überprüfe und evaluiere. Eine Netzperle zu werden, das ist mein Ziel! :)

  • Wähle jedes Wort mit Bedacht. Lies jeden Satz nach dem Schreiben gleich nochmals durch und überdenke, wie er auf den Leser wirken kann.
  • Halte dich kurz und bündig. Schreibe lieber jeden Tag einen Text mit 300 Wörtern, statt jede Woche einen mit 3′000.
  • Wenn du etwas vermutest, ahnst, fühlst, spürst oder sonstwie emotional wahrnimmst, betone dies stets deutlich genug – vermittle nie das Gefühl, deine Gefühle seien dir wichtiger als Fakten.
  • Gib deine Quellen an. Suche lieber noch eine halbe Stunde die Publikation, statt einfach zu behaupten, etwas sei so wie es ist.
  • Versuch, nie die Gefühle anderer unter deine zu stellen oder sie zu verletzen. Wenn du Recht hast und dies beweisen kannst, dann muss dir das genügen.
  • Wenn du eine Idee hast, dann versuche immer, dies auch als solche zu verkaufen.
  • Richte dich beim Verfassen von Artikeln immer nach folgenden Aspekten in dieser Reihenfolge:
    • Wissenschaftlichkeit: Quelle, Zusammenhang, Abstract, Weiterführende Informationen, klare Kennzeichnung von reinen Spekulationen, Hypothesen, Theorien und Fakten.
    • Humanismus
    • Emotionen, freie Gedanken, wilde Spekulationen, schräge Ideen.
    • Humor, Sprachwitz, Sarkasmus, Ironie: Sei dir sicher, dass diese auch portiert wird oder merke es am Ende des Artikels zur Sicherheit an!
  • Auch wenn du tief in deinem Inneren ein elender Misantrop bist, zeige anderen, dass du das Beste daraus zu machen versuchst.

Soviel für den Moment. Habe so ein dumpfes (aber pulsierendes) Gefühl, dass es ab jetzt besser wird! :-)

Jugendkultur? Und selbstbestimmt?

Soeben bin ich auf die neue Kampagne der JUSO Schweiz, der Piratenpartei und ein paar anderen Organisationen für eine selbstbestimmte Jungedkultur gestossen. Auf der Webseite www.pro-jugendkultur.ch kann man eine Online-Petition unterschreiben und das Parlament darum bitten, so genannte “Killerspiele” nicht zu verbieten. Anlass für diese Petition ist eine Motion von Evi Allemann (SP Bern) für ein Verbot von Killerspielen.

Die JungsozialistInnen Schweiz (JUSO), die Piratenpartei, die swiss e-sports federation sowie GameRights haben mit anderen die Petition lanciert, um den ParlamentarierInnen klar zu machen, dass ihrer Ansicht nach videospiele, in denen Gewalt gegen Menschen Teil des Spiels ist, einen absolut notwendigen und unverzichtbaren Bestandteil der “selbstbestimmten Jugendkultur” sind.

Sie weisen Zusammenhänge zwischen Amokläufen und häufigem Spielen von Killerspielen als Begründung von der Hand. Ihrer Ansicht nach sind die Beziehungen zwischen ebendiesen Amokläufen und anderen Gewaltexzessen und Computerspielen zu vernachlässigbar, als dass man “hunderttausenden” ihr Recht auf das spielen solcher Games verbieten könnte. Das Gamen sei ein verbreitetes Hobby und habe bei gesunden Menschen keinen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft. Es sei vergleichbar mit Sport in einem Verein (Fussball o.ä.)

Nun denn, so sollen sie doch eine solche Petition machen und für ihre Spiele kämpfen. Doch der wahre Grund, warum ich hier schreibe, ist ein anderer: es ist der irrwitzige Glaube, Computerspiele seien “Teil einer selbstbestimmten Jugendkultur”!

Erstens sind Games bzw. das Gaming meiner Meinung nach nicht Teil der Kultur. Mein Verständnis von Kultur beinhaltet viele Dinge, aber nicht das Töten von digitalen Menschen während man alleine vor dem Computer sitzt. Kultur bedeutet doch, dass man zusammen mit anderen Menschen etwas unternimmt, diese sieht, mit ihnen spricht, sie vielleicht sogar berührt. Sport, Musik, Unterhaltung, bilnderisches Gestalten, Film, Spiele, Hobbies, Haustiere, mit Freunden oder Familie etwas unternehmen usw. – das ist für mich Kultur. Ich sehe es an mir und vielen anderen Menschen: man spielt ein Spiel, wenn man für sich allein sein möchte oder wenn man damit gewisse Emotionen auslösen oder beruhigen möchte (Entspannung, Frust, Stolz, Macht, usw.)

Mich stimmt es sehr nachdenklich, wenn sich tausende Menschen finden, welche ihre gewalttätigen Spiele schützen wollen. Denn diese Spiele zu spielen ist kaum eine vollkommen unbedenkliche Handlung. Was treibt Menschen dazu, immer detailgetreuere und noch gewalttätigere Games zu kreiren bzw. zu spielen? Warum bekommen sie das Hosenflattern, wenn man ihnen mit einem Verbot zu nahe kommt? Warum sehen sie das “spielerische Töten” von authentisch designten Spielfiguren als Hobby, Kultur oder Spass? Warum fragen sie sich nicht nach dem Ursprung ihres Verlangens, “Stress abzubauen” oder mit ihrem Clan “in den Krieg zu ziehen”?

Evi Allemann hat meiner Meinung nach einen mutigen Schritt gewagt, welcher schon lange nötig war. Sie hat die Diskussion um Sinn und Unsinn der Flucht in die digitale Welt aufgeheizt. Ich stimme allen zu, welche sagen, dass ein Amoklauf und das Gamen nicht direkt zusammenhängen können. Doch dies ist gar nicht die eigentliche Frage, es ist nur der Aufhänger, um die Problematik zu verdeutlichen. Warum müssen wir Gewalt konsumieren? Zuerst war es nur im Film, heute können wir selbst töten. Und es macht uns Spass. Das kann unmöglich ein erstrebenswerter Teil einer Kultur sein!

Und dies führt uns sogleich zum Wörtchen “selbstbestimmt”: Erstens wird es irgendeine nicht-selbstbestimmte Komponente geben in der Entscheidung, Menschen digital zu töten. Zweitens kann die Junged bzw. die Gesellschaft nicht bestimmen, welche Inhalte ihr zur Verfügung gestellt werden. Anders als bei der Musik oder beim Sport, wo ein jeder völlig frei ist bei der Gestaltung seiner Aktivitäten, so muss ein Gamer jene Spiele kaufen und benutzen, welche hergestellt werden. Der durchschnittliche junge Gamer hat keine Möglichkeit, sich sein eigenes, realitätsgetreues Game zu programmieren und “seine eigene Kultur selbst zu bestimmen”…

Von Gender Studies, Frauen und Männern – ein zweiter Versuch

Mit dem Artikel „Gendermainstreaming und Feminismus“ bezweckte ich eigentlich nichts anderes, als mir über meine Ansichten bezüglich „Gleichberechtigung und Gleichstellung“ klar zu werden. Ich bin der Ansicht, dass JEDER Mensch gleichberechtigt ist mit allen anderen. Ich versuche immer, beim Umgang mit Menschen jeweils ein völlig individuelles Verhältnis aufzubauen und mich interessiert primär eigentlich nicht, welchem Geschlecht oder welcher Nationalität (Ethnie) jemand angehört.
Natürlich stelle auch ich gewisse Dinge fest, wenn ich das andere Geschlecht (=Frauen) oder Menschen aus mir fremden Kulturkreisen betrachte. Unterschiede im Denken und Verhalten. Doch für mich stellen diese trotz allem das Ergebnis einer individuellen Entstehungsgeschichte dar. Und ich betrachte mich selbst NICHT als das Mass der Dinge.

Doch wie schon so oft habe ich mich natürlich wieder einmal im Ton vergriffen und mehrere Male ungeschickt und unklar ausgedrückt. Auf wahrscheinlich wurde dies bemerkt und zum Anlass genommen, sich über mich und meine unreifen Ansichten lustig zu machen. Eigentlich bin ich immer froh über solche Dinge, da sie mich zu tieferen Nachdenken anregen. Mir wurde klar, dass ich gar nicht so gefestigte Ansichten habe, vor allem nicht in Sachen „Gesellschaft und Fortschritt“ oder wie man es auch immer nennen möchte. In den Kommentaren des Artikels ging es dann nochmals heftig zu und her – wie auch in den Kommentaren unter meinem Artikel. Besonders verwirrt hat mich der Vorwurf von Michael, darin der Satz

Lieber Protostomia, deine Auffassung von Geschlecht ist letztlich so etwas von verstockt, dass du selbst nicht merkst, wie tief du in der chauvinistischen Ecke bist. (Der hart arbeitende Mann, die Frau welche keine körperliche Arbeit verrichten kann und deshalb auf Hilfe des Mannes angewiesen ist, naturgegebene (!) weibliche Charakteristika und so weiter)

Moooooment… was war mein Fehler?

War mein Artikel tatsächlich chauvinistisch? Ja, aber wohl nur in der Hinsicht, dass ich mir als Mann anmasse über die Stellung der Frau in der Gesellschaft nachzudenken, was im Prinzip ja bereits eine gewisse Anmassung darstellt.

Doch auch etwas anderes wurde mir klar, es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Die Stellung der Biologie unter den Geisteswissenschaften ist wohl nicht die Beste. Dies ist in diversen Kommentaren bei wahrscheinlich zu sehen. Vor allem herrschen der Glaube, dass der Mensch sich von der Natur emanzipiert hat und ein gewisses (ideologisches?) Fehlkonzept der „biologischen und kulturellen“ Evolution.

Ich habe meine Ferien nun dazu genutzt, mich passiv ein wenig mit diesen Dingen auseinanderzusetzen und komme zu den folgenden Schlüssen, gegliedert in drei Kapitel.

1. Das Leben als Chauvinist: Lila Pudel, der Schoss des Lebens und ein klein wenig Altruismus
2. Kulturelle Evolution oder Kultur als Ergebnis der Evolution?
3. Gender Studies – nötig oder nicht?
4. Fazit

1. Das Leben als Chauvinist: Lila Pudel, der Schoss des Lebens und ein klein wenig Altruismus

Ich als Mann dürfte mich nicht dazu erdreisten, über die Stellung der Frau in der Gesellschaft zu urteilen. Doch ich tu es trotzdem. Und heute mit noch besserem Gewissen als letztes Mal. Dies deshalb, weil mir klar wurde, warum ich überhaupt über das Thema Gleichberechtigung schreiben wollte bzw. über Gendermainstreaming und Feminismus. Zu letzteren vorweg: Ich mag beides immer noch nicht! Und bezweifle die Daseinsberechtigung der Gender Studies noch immer. Dazu aber später mehr.
Im Forum der Webseite „Wie viel Gleichberechtigung verträgt das Land?“ hat mich mal jemand darauf hingewiesen, dass ich vielleicht noch den „lila Pudel“ in mir trage. Lila Pudel ist eine Bezeichnung für einen Mann, welcher sich den Frauen unterwirft um Vorteile zu erhalten. Ich war mir zuvor gar nicht bewusst, dass es dafür eine Bezeichnung gibt. Ich habe mir natürlich sofort überlegt, wie ich mich denn im privaten gegenüber Frauen verhalte und woher ich diese Verhaltensweisen kenne.
Es gab tatsächlich schon Momente in meinem Leben, wo ich mich Frauen unterwarf um etwas zu erhalten oder zu erreichen. Aber ich unterwarf mich in meinem Leben wohl definitiv häufiger Männern als Frauen, vor allem in der Arbeitswelt hatte ich mehrheitlich männliche Vorgesetzte.

Doch nun zu meinem „Chauvinismus“: Ich vergöttere Frauen für ihre blosse Existenz. Wenn ich eine Frau sehe und sie mir sympathisch ist, so möchte ich sie beschützen oder zuvorkommend sein. Ich habe auch noch gelernt, wie man eine Dame behandelt. Die Türe zu öffnen, auf der Treppe hinter der Frau zu laufen, ihr zur Hand gehen und beschwerliche Arbeiten abnehmen. Wer meine früheren Posts zum Thema Liebe und Beziehung liest (bald gibt’s übrigens ein Update), wird auch feststellen, dass ich ein ziemliches Problem damit habe, mich gegenüber einer Frau als gleichwertig zu sehen – ich betrachte sie meist von unten, für ihre Schönheit, ihre Perfektion und ihre erstaunlichen Fähigkeiten, welche mir alle fehlen.

Aber auch seit meinem Interesse an der Biologie sehe ich bei vielen Tierarten, dass sich der Mann bzw. das „Männchen“ oftmals zu Gunsten der Frau bzw. des „Weibchens“ opfert. Dazu aber mehr im nächsten Kapitel. Was ich sagen möchte: Ich möchte ein Gentleman sein. Frauen sind jene Mitglieder der Gesellschaft, welche das Wunder des Lebens austragen können und sie sind es, welchen für diese Wahrnehmung dieser „Aufgabe“ gedankt werden muss. Respekt und ein wenig Altruismus (ja, ich glaube, dass es so etwas tatsächlich gibt) sind wichtig, ja sogar nötig. Vielleicht bin ich seltsam, vielleicht tatsächlich verbohrt. Aber damit kann ich leben und solange ich Frauen zum lächeln bringen kann (was etwas vom Schönsten ist, das es gibt) so habe ich etwas richtig gemacht und werde es wieder tun.

Zudem: Dies ist ein Blog, ein sich-auseinandersetzen-mit-diversen-Gedanken und unterscheidet sich von meinen Handlungen in der realen Welt. Also wenn ich hier darüber fabuliere, wie ich Frauen kenne, liebe und achte, dann muss ich trotzdem bei jeder Einzelnen meine Verhaltensweisen anpassen und sie als individuellen Mensch betrachten.

2. Kulturelle Evolution oder Kultur als Ergebnis der Evolution?

Die meisten Menschen glauben wohl, der Mensch selbst habe sich von der Natur „emanzipiert“ oder sei in irgendeiner subjektiven Weise „besser“ oder „weiter entwickelt“ als andere Lebewesen. Sie nehmen sich selbst nicht als Teil der Natur wahr. Pflanzen, andere Tiere und Mikroorganismen werden konsequent ignoriert und als leblose Objekte dargestellt.

Doch was unterscheidet Homo sapiens von anderen Tieren, speziell den Menschenaffen? Die Fähigkeit, komplexe Sprachen zu lernen sowie Werkzeuge zu benutzen. Als Gegenleistung (trade-off) hat H. sapiens keinen bevorzugten Lebensraum mehr und ist schutzlos Wind und Wetter ausgeliefert (mangelndes Fell, Wärmeisolation, UV-Schutz). Der durchschnittliche Mensch ist auch nicht zu sportlichen Leistungen fähig, laufen und sitzen sind das einzige, was viele Menschen können.
In unseren warmen Zimmern sitzend, gemütlich Kaffee trinkend und im Internet surfend etabliert sich in uns der Glaube, wir seien etwas besonderes. Und das sind wir NICHT. Bei Betrachtung von geologischen Zeitspannen (=Millionen von Jahren) wird zudem klar, dass wir eine evolutiv extrem junge Art sind!

Das führt uns weiter zum eigentlichen Thema: Gibt es eine „kulturelle Evolution“ oder ist unsere Kultur das Ergebnis der Evolution? Kultur, Gedanken, Ideen, Erfindungen sowie Moral oder Religion sind die Ergebnisse von Kommunikation und Überlebenskampf. Durch ihre Fähigkeit, miteinander zu sprechen, waren unsere Vorfahren wohl in der Lage, gewisse Gesellschaftsformen aufzubauen und weiter zu entwickeln. Wenn man kommunizierte und sprach, war es wahrscheinlicher zu überleben. Dies leuchtet uns ein. In einer Gruppe, in welcher die Mitglieder miteinander reden können, sind Vorgänge wie die Jagd, das Wandern oder das Siedeln weitaus effizienter zu regeln. Mit der Sprache kam die Intelligenz – oder umgekehrt. Auf jeden Fall entwickelten sich beide wohl gemeinsam weiter. Intelligentere Individuen haben grösseren Erfolg in Gesellschaften. Dies lässt sich sowohl beim Menschen als auch bei Affen oder anderen Säugetieren beobachten. Wer listig, berechnend und geschickt ist, kann unter Umständen mehr erreichen als der „gute Trottel.“ Zudem haben Populationen mit einem grösseren Pool an Intelligenz und Wissen die Macht, weniger entwickelte Populationen zu verdrängen oder auszurotten. Man vermutet heute auch, dass es Homo sapiens war, welcher Homo neandertaliensis (Neandertaler) AUSGEROTTET und GEGESSEN hat. Zahlreiche andere Beispiele aus neuerer Zeit existieren. Mit der Auslöschung einer Gesellschaft bzw. Population verschwindet auch deren Wissen und „kulturellen Eigenheiten“. Auch hier gibt es viele Beispiele, z.B. die Eroberung von Südamerika durch die spanischen Konquistadoren, welche die Männer der einheimischen Stämme töteten und somit ihr Erbgut in die indianischen Gesellschaften einbrachten, indem sie sich die Frauen nahmen. Der Mensch hat eine lange und blutrünstige Geschichte der innerartlichen Konkurrenz um Lebensräume und Ressourcen – wie jede andere Art von Lebewesen. Doch anstatt dass der Mensch Reisszähne oder Krallen entwickelte, nahm seine Intelligenz zu. So zumindest argumentieren moderne Hypothesen über die Evolution der Menschen.

Nun denn: Wenn Intelligenz und Sprache das Ergebnis der Evolution waren und innerartliche Konkurrenz sowie das Formen von kooperativen Gruppen „gesellschaftliche“ (=verhaltensbiologische) Charakteristika hervorbringen können, warum massen sich denn gewisse Menschen an, der kulturellen Evolution ihren biologischen charakter abzustreiten?

Die kulturelle Evolution ist Bestandteil der biologischen Evolution! Somit sind auch gesellschaftliche Phänomene durch biologische Prozesse determiniert. Unsere Intelligenz – und damit meine ich die GESAMTHEIT DER INTELLIGENZ (also soziale, kommunikative, kreative, abstrakte usw.) – ist schliesslich durch nichts anderes determiniert wie durch den Aufbau unseres Gehirns. Dieser wiederum wird durch die genetischen Programme auf der DNA sowie die phänotypische Plastizität (Veränderlichkeit eines Organismus durch die Umwelt, in der er aufwächst und lebt) determiniert. Daraus folgt, dass jene Voraussetzung für eine „kulturelle Evolution“, die Intelligenz, ein biologisches Merkmal ist. Ergo ist auch die Kultur selbst ein biologisches Merkmal.

In “Biology” von Campbell et al, einem der meist-gekauften und bekanntesten Lehrbücher für Biologie überhaupt, steht zum Beispiel folgendes:

Over our recent evolutionary history, we have built up a diversity of structured societies with governments, laws, cultural values, and religions that define what is acceptable behaviour and what is not, even when unacceptable behaviour might enhance an individual’s Darwinian fitness. Perhaps it is our social and cultural institutions that make us distinct and that provide those qualities in which there is the least continuum between humans and other animals.

Cambell, N.A. (2008) Biology, 8th edition. Pearson Education Inc. Page 1142.

Diese Erkenntnis verändert nichts als das eigene Verständnis von der Welt und dem Menschen. Gesellschaftliche Prozesse und Diskussionen finden auch statt, ohne dass dieser Erkenntnis Rechenschaft getragen wird. Denn wir können nie anders als uns natürlich und „menschlich“ zu verhalten und es ist Teil unseres Habitus, die Gesellschaftsform stetig zu verändern, zu diskutieren und zu bestimmen, welche Form und welche Regeln uns wohl am besten weiterbringen. Und dazu gehört auch die Diskussion über die Rolle der Geschlechter. Was vor 50 oder 100 Jahren gut war, ist nicht zwingend heute auch noch gut. Die Gesellschaft war wohl in gewissen Teilen von den Männern dominiert. Doch ich bezweifle, dass nur Machtansprüche und Dominanz-Kämpfe dafür verantwortlich waren. Im Verlaufe der Evolution bleibt erhalten, was sich bewährt. Und wenn man bedenkt, dass heute ca. 7 Milliarden Menschen existieren, hat es sich sehr wohl bewährt. Doch die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Stellungen der Geschlechter, die Bildung, die Verfügbarkeit von Ressourcen und vielleicht auch die durchschnittliche Intelligenz (auch wenn mir letzteres meist nicht so scheint).

Und ja: Die Unterscheidung von Lebewesen aufgrund ihres Geschlechts ist sehr wohl sinnvoll. Denn die Existenz bzw. Nichtexistenz des Y-Chromosoms ist das grundlegendste Merkmal, welches alle Menschen teilen. Punktvariationen im gesamten Genom oder eine Charakterisierung nach Allelen macht aufgrund einer sowieso vorhandenen und für das Überleben der menschlichen Art absolut notwendigen genetischen Vielfalt ist heute noch nicht Routinemässig möglich. Aber das Y-Chromosom, also ein Sechsundvierzigstel des Chromosomensatzes ist es, welches unsere Morphologie, unseren Stoffwechsel (Muskelaufbau, Fettverbrennung, Hormonelle Konstitution) sowie einen Teil unseres Verhaltens steuert. Homo sapiens zeigt wie viele Tiere einen ausgesprochenen Sexualdimorphismus, das heisst die Frauen sehen während ihrer Geschlechtsreife ganz anders aus als die Männer. Und wer das nicht intuitiv erkennt, besitzt wahrscheinlich eine besondere Form der sexuellen Identität. Und das Argument, dass nicht alle Menschen die zur Reproduktion benötigten Attribute besässen, ändert nichts an der Tatsache, dass alle Menschen entweder weiblich oder männlich sind. Das Geschlecht wird schliesslich nicht durch die Fähigkeit zur Reproduktion bestimmt, sondern durch ein einzelnes Chromosom. Und ich meine explizit das biologische Geschlecht im Falle des Menschen.

PS: Sehr spannend sind Texte zum Thema Promiskuität und andere tierische Fortpflanzungsstrategien. Es ist absolut unklar, ob die ursprüngliche Fortpflanzungsstrategie von Homo sapiens die Promiskuität, die Polygynie oder die Polyadrie war. Wir sind wohl immer noch am herumproben, was denn am besten hinhaut ;)

3. Gender Studies – nötig oder nicht?

Nun noch zu dem, was eigentlich Anstoss zur Diskussion gab: Gender Studies und Gendermainstreaming. Ich bin immer noch der Überzeugung, dass Gender Studies eigentlich nichts anderes machen, als eine nicht wirklich nötige Diskussion um die Ungleichheit der Geschlechter vom Zaun zu brechen und Erklärung dafür suchen, warum Frauen eben anders sind als Männer und wie man sie gleichstellen kann und trotzdem den Unterschieden Rechenschaft zu tragen. Und diese Phänomene untersuchen schliesslich auch Psychologie, Soziologie, Medizin, Biologie (inkl. Soziobiologie, Verhaltensbiologie, Evolutionsbiologie, Genetik und Genomik, Physiologie), Philosophie, Pädagogik und so weiter und so fort.

Wer es möchte, soll doch Gender Studies studieren und in sein Leben einbinden. Ich möchte mir aber nicht die ganze Zeit sagen lassen, was Frauen oder Männer besser können und warum Frauen im landesweiten Durchschnitt weniger verdienen usw. Ich bin so weit, mein Leben auch ohne diese Erkenntnisse zu leben, denn wie gesagt möchte ich auf jedeN einzelneN individuell eingehen können. Zudem liegt es nirgendwo in meiner Hand, unmittelbar auf solche Dinge Einfluss zu nehmen. Das einzige was ich kann, ist bei Abstimmungen oder Kampagnen Position zu beziehen.

Des weiteren führen Gender Studies nicht zwingend zu einer gleichberechtigten Gesellschaft! Hierzu einfach EIN HYPOTHETISCHES, FREI ERFUNDENES BEISPIEL: Ein Gruppe Forscher aus der Geschlechterforschung findet heraus, dass Frauen aus klar bestimmbaren Gründen in Mathematik und Physik im Durchschnitt tatsächlich nicht so wettbewerbsfähig sind wie ihre männlichen Mitstudenten oder Arbeitskollegen. Die Studie findet auch heraus, dass Förderunterricht nichts bringt. Was nun? Die Wirtschaft wird innert Jahren die Schotten dicht machen und kein Arbeitgeber würde mehr freiwillig eine Frau in eine Versicherung, Bank oder eine Naturwissenschaftliche Position einstellen, wenn es daneben männliche Bewerber hat. Und was dann auf den Plan rückt, ist offensichtlich: Gendermainstreaming.

Ich möchte damit sagen: Wissenschaft muss der Befreiung der Gesellschaft und der Entwicklung (=Evolution?) des Wissens und Könnens dienen. Mit alten gesellschaftlichen Werten und Vorstellungen räumt man meiner Meinung nach mit “geschlechterblinder” Wissenschaft besser auf als mit Gender Studies oder ähnlichem. Man muss doch den Menschen beibringen, die alten Konstrukte und Vorstellungen über eine “richtige Gesellschaft” zu vergessen. Und dabei kann der evolutionsbiologische Ansatz sehr hilfreich sein. Nicht aber Feindbilder von “patriarchalischen” Gesellschaften oder Angst vor “Gender”… (jaaaaaaaa, ich bin ja nicht besser als alle anderen… NOCH nicht ^^)

Ich traue einfach einer Wissenschaft nicht, wenn sie aus einem politischen Auftrag heraus entstanden und nach politischen Schwerpunkten forscht. Ein Naturwissenschaftler erforscht auch nicht, was eine gesellschaftlich-politische Ideologie von ihm erwartet – sonst wäre es kein Naturwissenschaftler.

4. Fazit

Ich bin ein Verehrer der Frauen und habe kein Problem damit, ihnen angenehmere Leben zuzustehen als mir selbst. Dies soll ihr Privileg sein. Doch ich habe ein Problem damit, wenn man das Geschlecht eines Menschen ausspielt auf Kosten des anderen. Also bei Quotenregelungen, bei Förderungsprogrammen, bei Wahlen jedwelcher Art oder sonstigen Verfahren (Rechtssprechung Sorgerecht o.ä.).

Die „kulturelle Evolution“ ist wie all unser Verhalten und unsere Errungenschaften (aber auch unserer Probleme) Ergebnis der biologische Evolution. Einen „biologischen Unterschied der Geschlechter“ zu leugnen oder zu behaupten, der Mensch habe sich „von der Natur emanzipiert“ oder was auch immer ist meiner Meinung nach dumm. Und nun muss mir kein Philosoph kommen, sonst zeig ich ihm seine Urinstinkte :)

Gender Studies sind süss, aber nicht nötig. Wir können unsere Vorurteile und die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus anderen Forschungsrichtungen auch verarbeiten, ohne eine scheinbar übergeordnete Instanz, welche immer alles nach Geschlechterkonformität beurteilt. Zudem: Schon nur der Name „Geschlechterforschung“ sagt ja bereits, dass die Forschenden von nicht vereinbaren Unterschieden zwischen denselben ausgehen… passt irgendwie nicht so recht ins Bild, wenn doch anderswo ganz anderes behauptet wird ;)

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