Ich beginne mich langsam zu fragen, warum ich nur immer von den Demonstranten lese, dass sie erstens weiter in der Aula bleiben und zweitens sich immer mehr ausbreiten? Warum lese ich nicht plötzlich an allen Orten, dass sich die Uniräte inkl. Regenz und Regierungsräte zusammen mit den Studenten zusammensetzen und über alles sprechen?
Meine Vermutung geht in diese Richtung: Den Studenten in der Aula geht es doch primär nicht darum, dass sich wirklich etwas ändert in der Uni-Politik. Sie wollen eigentlich bloss die Studiengebühren und die Präsenzkontrollen abschaffen. Ernsthafte Gespräche zu führen mit den Leuten, welche es in den Händen hätten, etwas zu ändern, wird offensichtlich nicht einmal angestrebt. Die Telefonnummern der Regierungsräte stehen im Internet, jede politische Partei hat ein Sekretariat. Die Gewerkschaften, welche die Gunst der Stunde nutzen, sich weiter den Akademikern anzubiedern, haben mächtige Netzwerke.
Zudem: Schon seit gestern Abend ist es klar, dass die Aula auch über das Wochenende besetzt bleiben wird. Und wahrscheinlich auch noch länger. Und da ja niemand der Organisator sein möchte (diffuse Feindbilder der Autonomen-Bewegung) und die Wortführer sich vor der Verantwortung drücken, wird auch nie wirklich ein Ziel erreicht werden. Loprieno und seine Kohorten wissen das – sie haben auch studiert und kennen die Mechanismen des Widerstands. Solange ihr, liebe DemonstrantInnen, euch nicht aufrafft und erwachsen mit den Leute redet, werdet ihr nie eine Verbesserung erzielen und eines Tages werden auch diejenigen, welche euch zu Beginn noch unterstützt haben, auslachen oder bemitleiden. Ich selbst entdecke schon gewisse Anzeichen dafür.
Bitte lasst das nicht zu! Bitte beendet die “Besetzung” in der jetzigen Form. Sammelt euch, geht zu Loprieno und sagt, dass ihr eine öffentlich zugängliche Sitzung des Unirats, der Regenz und der Studentenvertretung fordert. Dies wird ohne weiteres möglich sein, theoretisch seid ihr ja heute schon in der Regenz vertreten. Also, nehmt es doch bitte ernst. Eure “Machtdemonstration” ist schon keine mehr, seit ihr den Medien verboten habt, in den Räumen anwesend zu sein und die Gespräche mit dem Rektorat einfach ergebnislos geendet haben. Das kann doch nicht sein, oder?









Ich nehm mal an, Du meinst die Besetzer der Uni Basel? Ich selbst bin in Wien und weiß, wovon Du sprichtst. Eine Zeit lang bin ich mitgesessen, bin aber aus Frustration wieder ausgestiegen.
Du hast völlig Recht, wenn Du den “lack of engagement” ankreidest. Nur, dass es uns (wie gesagt, ich kenn eher nur die wiener Perspektive) nicht um eine Verbesserung ginge, das stimmt nicht. Das Problem ist eher die Uneinigkeit innerhalb der Bewegung. Natürlich gibt es auch die Gruppierungen, welche die Proteste tatsächlich nur für ihre eigenen Zwecke benutzen oder Protestieren um zu Protestieren, ich glaube in der Gesamtbewegung sind das aber die Minderheit.
Ach ja, was ich eigentlich Fragen wollte: Was meinst du mit dem Titel?
Ja, für WEN fordert die Bewegung eine bessere Uni? Ich habe das Gefühl, es ist vielen nicht klar, das WIR eine sehr heterogene Gruppe mit sehr unterchiedlichen Bedürfnissen sind.
Interessanter Artikel! Ich war an am Abendplenum am Mittwoch und gestern inkl. Diskussion mit Loprieno. Auch jetzt weiss ich noch nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll… Es tendiert alles zu sehr in die linksautonome Richtung, da ist von “Bullen” die Rede, “den Rektor rausschmeissen”, es hängen Plakate der linksautonomen Szene gut sichtbar an allen möglichen Orten. Wie wollen sie so eine breite Öffentlichkeit, vor allem Studierende aller Richtungen, erreichen?
Die Forderungen, die ich gehört habe, sind zum Teil deckungsgleich mit deinen im Artikel “Eine Uni für die Gesellschaft”, es sind also durchaus auch “Gemässigte” am Werk! Nur gehen die irgendwie unter unter all dem linksautonomen Geschrei. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass heute weniger Leute anwesend sind und diese Situation wird sich auch nicht mehr ändern.
Der Witz daran? Wir sitzen an unseren PCs und schreiben, die da in der Aula sind von ihren Stühlen aufgesprungen und haben etwas auf die Beine gestellt. Vielleicht nicht das, was ich mir erwartet hätte, aber sie haben etwas GETAN, dafür haben sie meinen Respekt. Schade, dass es höchstwahrscheinlich im Sande verlaufen wird, aber vielleicht werden die Erfahrungen dazu beitragen, wie man in Zukunft wirklich etwas bewegen kann…?
Danke für den Kommentar.
Ja es ist immer wie mehr eine links-autonome Dominanz versrpürbar (um es vorsichtig auszudrücken).
Und du hast eigentlich völlig recht. Wir hocken vor dem Compi anstatt dass wir dort wären und mitarbeiten. Aber ich fühle mich in solchen Umgebungen zu unwohl, als dass ich mir dies antun könnte…
Grüsse
Protostomia
Das ging aber schnell mit der Antwort
Ich meinte nicht nur jetzt an diesem Event, viele Studis haben konstruktive, machbare Ideen und Vorschläge aber machen tun sie nichts. Auch ich, genauso wie du (also was ich bisher gelesen habe, möchte dir da nichts Falsches unterstellen
).
Vielleicht sollten wir im Kleinen beginnen… Bei unseren Instituten/Seminaren in den FHs z.B.
Du sagst es! Professoren, Dozenten, Dekane und alle Assistenten sind alles Menschen. Wir können mit ihnen sprechen, sie kritisieren und Anregungen deponieren. Ich sehe das an der Phil.-Nat. Fakultät. Wenn man mit den Leuten redet, erreicht man sehr schnell etwas.
Man muss einfach rauskommen aus der “Nur gemeinsam und mit Protest können wir etwas erreichen”-Haltung! Ihr müsst in den Seminaren aufstehen und den Dozenten ins Gesicht sagen, wenn es uninteressant ist. Oder gebt ihnen einfach die Präsenzlisten nicht ab. Agiert im System! Sogar Ulrike Meinhoff hatte das am Ende noch eingesehen
ja, genau was ich immer zu sagen versuche: hört auf zu motzen und macht was. was bringt es in der Aula rumzusitzen, Musik zu hören und niemanden wirklich etwas sagen zu lassen? fangt an dort etwas zu ändern, wo es seinen Sinn hat (also zuerst in den Vorlesungen bei den Professoren) und wenn es nicht klappt geht eine Stufe weiter und wenn es wieder nicht klappt dann noch eine und wenn nichts mehr klapt, dann auf zum organisierten und gut durchdachten Protest! aber wenn die “Gegenseite” – die Wohlgemerkt ebenso an einer Demokratischen und Studentenfreundlichen Uni interessiert sind wie wir – nichts davon weis, was wir als Missstand ansehen, wie soll sie da wissen, das es was zu verbessern gibt?
hört auf Vorwürfe zu machen und arbeitet lieber mit allen Parteien an einer konstruktiven Lösung. Und erst wenn alle ERNSTHAFTEN Bemühungen umsonst waren und man euch wirklich nicht zuhören WILL, ruft zum Protest auf dass sie euch zuhören MÜSSEN damit der Boden gelegt ist die gewünschte konstruktive Auseinandersetzung zu erlangen.
soviel meine kurz formulierte Meinung dazu