Bildungsstreik ausseruniversitär?

Mir scheint es, im ganzen Tumult um die Aktionswoche zum Bildungsstreik und “Unsere Uni” geht ein ganz wesentlicher Aspekt verloren. Und zwar jener der Fachhochschulen, Berufsschulen und Technischen Hochschulen.

Wenn man versucht, objektiv zu beurteilen, welche Bildungseinrichtungen der Privatwirtschaft am stärksten ausgeliefert sind, ergibt sich ein spezielles Bild. Zwar muss man bedenken, dass eine Universität natürlich eine andere Bildung (bzw. Ausbildung) anbietet als eine Fachhochschule o.ä. doch für mich ist klar, dass die Universitäten das kleinste Problem haben. Die Reihenfolge der Bildungseinrichtungen im Bezug auf ihre Wirtschaftsverbundenheit ist ja eigentlich folgende:

Berufsschulen > Fachhochschulen > Technische Hochschulen > Universitäten

In Berufslehren und -schulungen werden die Menschen für die Arbeit in einem genau definierten Bereich ausgebildet. In der Fachhochschule dasselbe. Die Privatwirtschaft definiert den Nachwus und die Berufsschulen und Fachhochschulen richten ihre Ausbildungen darauf aus. Die Technische Hochschule als Kaderschmiede für die in den Berufsschulen gelehrten Berufe bildet die Leute dazu aus, dass sie die höchstqualifizierten Arbeiten übernehmen können. In der Universität erhält man – wie der Name der Einrichtung selbst schon suggeriert – eine allgemeine Ausbildung bzw. Bildung zu einem mehr oder weniger frei zusammenstellbaren Studiengang. Ein Bachelor-Abschluss bedeutet üblicherweise noch nicht, dass man irgendeinen Beruf auch ausüben kann, zu allgemein und unspezifisch sind die vermittelten Wissensinhalte.

Somit greift der Bildungsstreik eigentlich am falschen Punkt der Kette an. Die Privatwirtschaft nimmt an anderen Orten viel unmittelbarer Einfluss auf die Ausbildungswege der Menschen und die Universität stellt für sie normalerweise mehr eine Forschungseinrichtung dar, aus welcher ggf. brilliante Köpfe hervorgehen. Die Universität ist nicht lukrativ oder gewinnbringend, sie ist einfach ein Muss um die wissenschaftlich Interessierten zu bilden und zu kultivieren. Man droht sich selbst ins Bein zu schiessen, wenn man mit Reformen bei der Universität beginnt.

Es sind aber auch die Gymnasien und Privatschulen, welche der ganzen Entwicklung eines kritischen Menschen den entscheidenden Weg weisen. An der Spitze der Bildung für mehr Freiheit zu kämpfen, wo man doch schon die grösste Freiheit geniesst, scheint mir unangebracht. Die FachhochschülerInnen oder die Lehrlinge hätten mehr Anrecht darauf, gegen den Einfluss der Privatwirtschaft zu kämpfen. Lehrlinge werden als Billigstkräfte eingesetzt um schwere Arbeiten zu erledigen und FachhochschülerInnen werden mit massgeschneiderten Ausbildungen in ihr zukünftiges, von der Privatwirtschaft definiertes Arbeitsfeld hinein “gebildet”…

Solange sich die Proteste also nur auf die Universitäten beschränken, wird nichts erreicht ausser kleinen und individuellen Verbesserungen an einzelnen Unis. Und passt auf, dass ihr nicht die mediale Aufmerksamkeit von anderen Themen weglenkt – wie rasch könen Proteste und Demonstrationen auch von der Gegenseite missbraucht werden…

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