Klimawandel – Untergang oder Chance?

Vor gar nicht langer Zeit wurde unter den Kommentaren eines Artikels darüber philosophiert, warum denn der Mensch ein derart zerstörerisches und egoistisches Leben führt. Die konsensfähigste aller Schlussfolgerung war, dass der Mensch “dumm” sei. Die Dummheit der Menschen ist unermesslich – wie die Zerstörung, die sie anrichtet.

Ich habe den Anstoss aber dankbar aufgenommen. Seit geraumer Zeit denke ich regelmässig über das Dauerthema “Klimawandel” nach. Die vor wenigen Wochen mehr oder weniger erfolglos beendete Klimakonferenz in Kopenhagen hat eine weltweite Bewegung auf den Plan gerufen. Die “Klimaretter” fühlen sich nun endgültig bestätigt darin, dass sie kämpfen müssen. Sie müssen kämpfen dafür, dass die Staaten, die UNO und jeder einzelne den Klimawandel als primäres Ziel erkennen und all ihr Handeln auf die Verhinderung desselbe ausrichten. Sie protestieren überall auf der Welt und im Internet gegen die Ungläubigkeit und Ignoranz der Regierungen. Doch ich frage mich, was denn am Klimawandel so schlimm ist.

Folgen des Klimawandels

Dass sich das Klima verändert, ist unter Wissenschaftlern unbestritten. Ebenfalls unbestritten ist, dass der Mensch die Hauptschuld an der Geschwindigkeit und den Ausmassen dieser Veränderungen trägt. Weniger unbestritten ist jedoch die Art, wie er dies tut. Am plausibelsten scheint bis heute, dass das durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetze CO2 den natürlichen Treibhauseffekt verstärkt. Wenn man die Bohrkerne aus dem “ewigen” Eis untersucht, stellt man fest, dass die CO2-Konzentration in den letzen 200 Jahren massiv zugenommen hat und, dazu korrelierend, die Durchschnittstemperatur auf der Erde ebenfalls. Man spricht in diesem Zusammenhang von der so genannten “Hockey-stick-Grafik“.

Man geht, je nach Modell, Hemisphäre und Region von ganz unterschiedlichen Szenarien aus: Je nach Zusammensetzung der Daten und je nach angewandtem Modell schwanken die Ergebnisse der Simulationen um viele Grad Celcius. Mittelt man aber alle diese Daten, kann man davon ausgehen, dass die Oberflächentemperatur der Erde in den nächsten Jahren um 2 – 5 °C zunehmen wird.

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Global_Warming_Predictions.png

Damit einhergehen wird u.a. das Abschmelzen der Polkappen, der Gletscher und des Permafrosts und damit eine Erhöhung des Meeresspiegels, eine Veränderung des Golfstromes und anderen Meeresströmungen und damit weiter eine komplette Veränderung der globalen Mikroklimata und Wetterphänomene. Wirbelstürme, Orkane und Flutwellen werden in anderen Regionen und Abständen auftreten, als sie dies heute tun. Mit der Veränderung des Meeresspiegels und der Niederschläge werden ganze Inseln und Landstriche unbewohnbar durch Überschwemmung oder Austrocknung. Durch das Abschmelzen des Permafrostes werden Bergrutsche bzw. Berstürze zunehmen. Durch diese Effekte werden sich zudem die Habitate aller Lebewesen dieser Erde verändern. Man geht heute bereits davon aus, dass Lebensräume sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 420 Meter pro Jahr bewegen werden. Damit verbunden ist das Aussterben abertausender Tier- und Pflanzenarten, denn wo auch immer diese Arten hinwandern, werden sie vom Menschen ausgerottet, wer will denn schon Tiere im Vorgarten oder Blumen auf dem Rasen? Zudem werden die typischen tropischen- und subtropischen Infektionskrankheiten immer häufiger auch in den gemässigten Zonen auftreten. Die Malaria-Mücke Anopheles wird schon heute vermehrt in Italien und in der Schweiz beobachtet. Von giftigen Spinnen und Schlagen gar nicht erst zu reden.

Doch wo liegt denn eigentlich das Problem? Es ist nicht die Tatsache, dass sich etwas verändert, sondern dass der Mensch auf diese Veränderungen reagieren wird: Millionen und Abermillionen von Flüchtligen werden gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen und in andere Gebiete zu migrieren. Die globale Wirtschaft und Bevölkerungsstruktur wird sich grundlegend verändern müssen. Und genau da liegt doch eigentlich die Angst: Wir werden unser altes Leben verändern müssen, wir werden intra- und intergesellschaftlich reagieren müssen.

Umsturz und Neubeginn

Die “Weltgemeinschaft” wird eine schwere Herausforderung zu meistern haben und da ich den Optimismus in die Menschen täglich ein bisschen mehr verliere, sehe ich eigentlich nicht besonders rosige Zeiten für unsere Nachfolge-Generationen. Gigantische Einwanderungswellen in Zeiten immenser ökonomischer Flauten und Rezensionen, bedingt durch einen Einbruch der Erdölfördermengen, der Getreideproduktion und der zunehmenden Anzahl Kriege und Auseinandersetzungen. Die politischen Systeme werden zunehmend unter Druck geraten. Der heute bereits unterschwellig garende Krieg zwischen progressiven Kräften und den Konservativen wird entbranden, da von den Bevölkerungen der entwickelten Ländern vermehrt protektionistische Massnahmen gefordert werden. Man wird gezwungen sein, endlich final mit internationalen Organisationen zu arbeiten. Die Supernationalen Vereinigungen wie die EU werden zu Bollwerken gegen die Veränderungen der Welt, wie wir sie heute noch kennen. Europa und die USA werden wieder zurückgreifen zum Stacheldraht, anstatt von “Integrationsfachstellen” zu reden und der Sozialdarwinismus wird vor dem Atheismus die neue Weltreligion.

So viel zum “worst case scenario.” Doch warum heisst der Titel “Umsturz und Neubeginn”?

In diesen Zeiten der globalen Krisen der Wirtschaft, Gesellschaftswerten, Moral, Ehtik und sogar dem Altruismus werden viele Veränderungen notwendig sein, welche diese Welt schon lange nötig hätte.

  • Erneuerbare Energien: Anstatt weiterhin Erdöl zu verbrennen werden wir gezwungen sein, immer wie stärker auf alternative Energieformen zurückzugreifen. Die fossilen Brennstoffe und die Uranvorkommen werden eines Tages aufgebraucht sein oder die Menschen reagieren vorher, dass sie es lieber nicht bis zum bitteren Ende treiben sollten. Wind- und Sonnenergie werden ins Zentrum rücken und somit verändert sich die Zusammensetzung der Treibhausgase nicht mehr weiter.
  • Transportsysteme: Fliegen und Autofahren werden revolutioniert durch neue Techniken, welche den Ausstoss von CO2 und anderen schädlichen Umweltgasen auf ein Minimum reduzieren. Oder sie werden ganz verdrängt durch neue Formen des öffentlichen Verkehrs wie transatlantische Zuglinien, Untergrund-Bahnen (z.B. Swissmetro) oder Schwebebahnen, zusammen mit einem dichten Netz aus Tram- und Elektrobuslinien.
  • Ernährung: Anstatt Tonnenweise Fleisch herzustellen, wird die Landwirtschaft gezwungenermassen eine Neuorganisation erleben. Von der Gesellschaft bzw. von internationalen Organisationen kontrollierte Anbaubetriebe produzieren nur noch, was wirklich benötigt wird.
  • Wohnen und Leben: Passivhäuser aus Naturbaustoffen werden wieder ins Zentrum rücken. Von der Urbanisierung gälte es abzusehen.
  • Gesellschaft und Staat: Die Weltgesellschaft wird in regionale Gemeinschaften zusammengefasst, alte Hoheitsgebiete von alten “Völkern” werden ihre Bedeutung verlieren, die politischen Systeme werden sich verändern. Ob die Demokratie den Klimawandel überlebt ist noch offen. Auf jeden Fall wird der Begriff “Volk” nicht mehr verwendet werden, da sich die Ethnien mittlerweile derart durchmischt haben, dass eine Abgrenzung alleine aufgrund der geografischen oder kulturellen Herkunft nicht mehr weiter möglich sein wird.
  • Wissenschaft: Ein paar Leute wussten stets, was passieren wird. Und auf diese wird nun vermehrt gehört. Die Wissenschaft wird eine noch stärkere Position in der Gesellschaft einnehmen. Nach dem Motto “Wir wollen nie wieder einen Klimawandel” wird nun ein ökologischeres Leben angestrebt – in Zusammenarbeit mit denjenigen, welche das System begreifen.
  • Finanzmarkt: Spekulationsgeschäfte auf lebenswichtige Ressourcen werden wohl nicht mehr möglich sein. Durch den Einbruch der Börsen aufgrund der Krisen wird man sich überlegen, ob es denn nicht sinvollere Geschäftsmöglichkeiten gäbe.

Dies ein paar träumerische Vorstellungen von der Zukunft der Welt. Achtung, bitte nicht verwechseln mit Optimismus. Dieser würde nämlich davon ausgehen, dass wir das Steuer noch herumreissen können, bevor alles bachab geht.

Bewegte Zeiten, in welchen wir leben.

Weblinks zum Thema Klimawandel

Einen Kommentar hinterlassen




Quotes

"Never Underestimate the Predictability of Stupidity" -Bullet-Tooth Tony (in "Snatch")

The Out Campaign: Scarlet Letter of Atheism

NBGA

Archiv

Enter your email address to subscribe to this blog and receive notifications of new posts by email.